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verfasst von: isabel am 11.09.2009, 21:41 Uhr
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Seit dem 16. April bin ich stolzer Besitzer einer Katze. Ihr Name ist Heinz. Ich habe den Namen nicht ausgesucht. Ich habe lediglich Heinz in meine Obhut genommen. Heinz ist 12 Jahre alt. Das scheint auf den ersten Blick sehr alt, aber das spielt bei dieser Geschichte überhaupt gar keine Rolle und dient nur als Detailinformation für diejenigen, die es als wichtig empfinden zu wissen, wie die Katze heißt und wie alt sie ist und die deshalb ständig Geschichten unterbrechen, um solche unwichtigen Fragen zu stellen und so den Gesprächsfluss stören. Nein, es ist wahr, Katze ist schon richtig. Es ist kein Kater. Ich bekomme nicht viel von Heinz mit. Ich mache keine Fotos von Heinz. Ich schmuse nicht mit Heinz und sie macht dann so lustige Geräusche...Ich drehe keine witzigen Filme über Heinz, um sie bei U-tube rein zu stellen, um die Welt daran teilhaben zu lassen, wie süß und menschlich sich Heinz gebären kann. Auch ist sie nicht besonders wild oder irgendwie anders interessant.Überhaupt ist Heinz sehr uninteressant.
Wie mein Mitbewohner es so schön auf den Punkt gebracht hat, aüßert sich ihr Dasein nur dadurch , dass sie scheißt und frisst. Das merkt man an dem sporadisch vollen Katzenklo und an dem leeren Fressnapf.
Manchmal kommt sie auch in mein Zimmer und legt sich auf einen Karton unter meinem Podest und pennt. Aber nur dann, wenn ich sie nicht anspreche und mich auch vorerst nicht auf dem Podest bewege, ansonsten ist sie der Meinung , sie wäre irgendwie nicht in Sicherheit.
Überhaupt scheint sie in den letzten zwei Monaten gar nicht begriffen zu haben , dass sie in Sicherheit ist und in Ruhe gelassen wird. Ich könnte sie ja nur füttern und ihr Wasser hinstellen, weil ich in Wirklichkeit etwas ganz anderes und bedrohliches mit ihr vorhabe. Was das sein soll, weiß allerdings nur Heinz allein. Dummerweise sind auch noch die Dielen in der Wohnung echt alt und wenn sie sich an schleichen will, um wo anders ihre Ruhe zu haben , ist das einfach nur ein etwas kläglicher Versuch, und im Moment das Höchste der Unterhaltungs-Gefühle, die mir diese Katze bietet, in dem ich ihr dabei zuhöre, wie sie unauffällig schleicht und knarrt. Etwa so: knarr 1 2 3 4 5 knarr, 1 2 3 4 5 knarr, usw.
Es gibt auch noch ein paar andere Indizien, die dafür sprechen, dass in unserer Wohnung eine Katze lebt. Ein Freund hat einen Hund und wenn er mich besuchen kommt und Bella mitbringt, scheint es dem Hund suuuuper zu gefallen die Scheiße aus dem Katzenklo zu fischen, sie an zu kauen, sich darin zu wälzen und so die tierisch gut riechenden Fäkalien, als Zeichen seiner Sympathie, ob dem tollen Duft, in der Wohnung zu verteilen. Nach dem ersten Mal hatte ich die Korrespondenz zwischen diesen beiden Tatsachen ( Hund UND Katze anwesend ) gar nicht richtig begriffen. Ich dachte zunächst, ich müsste der Katze nun Vitamine aus Tuben ( irgendwo hatte ich mal gehört , das wenn die Viecher ihren Kot essen es ein Zeichen für Vitaminmangel ist ) verabreichen und grübelte schon heftigst darüber nach, wie ich es wohl am besten anstellen sollte, das scheue Ding zu fassen zu kriegen und vor allem dann zu Zwangsernährung zwingen zu können. Erst bei dem 2ten Besuch wurde mir klar, warum die Scheiße überall in der Wohnung verstreut lag.
Ja, und dann war ich mal im Krankenhaus. Ich hatte mir meinen Fuß gebrochen und bat meine Freunde für meine Katze zu sorgen. Ich erwähnte, dass sie scheu war und nur gefüttert werden will, Fremde nicht mag, mich auch nicht und lediglich möchte, dass ihr Klo gesäubert wird.
Gar kein Problem für meine Freunde. Sofort erklärten sich zwei Freiwillige bereit, sich der Raubtierhege anzunehmen. Ganz vorn dabei Beth, die schon mal 10 Jahre lang eine Katze hatte und sich nun wirklich gut mit diesen Dingern auskennt. Sie wollte auch gleich noch am selben Tag hin. Ich war beruhigt. Heinz war versorgt.
Ich hätte da schon aufhorchen müssen. Es war mir nicht klar, dass sich die Onkel und Väter, die so gerne sagen; „lass mich mal, Mädchen. Ich mach das schon!“ in meine Freundin Beth verwandeln würden, um mir im Krankenhaus auf zu lauern, um so die nächste Gelegenheit zu ergreifen einen Gefallen in eine halbwegs ausgewachsene Katastrophe zu verwandeln.
Am nächsten Tag ereilte mich schon Vormittags die Nachricht, Heinz gehe es prächtig, sie wäre gefüttert und ihr Klo gereinigt und überhaupt wäre alles „chicko“.
Wenige Stunden später kam Lara mich besuchen und erzählte mir mit besorgter Miene, dass sie sich Gedanken um Heinz machte. Sie meinte: „ Ich glaube Heinz geht es nicht gut. Ich glaub sie hat Durchfall und frisst zu viel.“ Sie öffnete ihre Arme und spreizte die Hände, um anzudeuten welchen Ausmaß das hatte was sie gesehen hat. „ Das ganze Klo war ZU-GE-SCHIS-SEN. Echt , alles voll!!! Ich musste ALLES noch mal sauber machen. Und der Freßnapf war auch leer.“
Da ich meine Katze nur aus ihrem Freß- und Scheissverhalten her beurteilen konnte, machte ich mir nun auch Sorgen; setzte ihr die Einsamkeit doch mehr zu? Schlang sie alles in sich rein, um dann später Bulimie artig alles wieder aus zu scheißen, um so mehr Aufmerksamkeit zu bekommen? War sie etwa so schlau , dass sie jetzt schon gerafft hat, dass man sie nur füttern kommt und nur um das Klo sauber zu machen? Hatte sie doch Gefühle und vermisste mich?
Nun gut, ich konnte erstmal an der Situation nichts ändern und Lara versprach mir, von nun an jeden Tag nach Heinz zu schauen. Und ihre Verdauung weiter im Auge zu behalten.
Die nächsten Tage verliefen ruhig und es gab keine beunruhigenden Scheißgeschichten über Heinz.
Mit Heinz war alles wieder in bester Ordnung.
Wegen guter Führung und chronischem Bettmangel wurde ich vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen und war schon fünf Tage vorher als geplant zu Hause.
Zunächst viel mir nichts komisches auf.... und auch Heinz schien mich nicht sonderlich vermisst zu haben, denn sie schaute nur argwöhnisch, als ich mit meinen Krücken vorbei gehumpelt kam und verpisste sich sofort, als ich den Anschein machte ihr zu nahe zu kommen.
Nun gut, dachte ich und humpelte ins Bad... im Krankenhaus konnte ich nicht so gut scheissen und freute mich auf den Keramikgott neben dem das Katzenklo steht. Und dann fielen mir als erstes überall die weißen Kalkflecken auf, die den dunkelgrauen Steinboden zierten, um Ecken und Dinge waren es sogar richtige Flatschen, als ob jemand keine Lust gehabt hätte die Sachen zur Seite zu räumen um da drunter zu wischen. Hmm – dachte ich , sonnst erstmal nichts nur: hmm. Dann klappte ich den Deckel hoch und sah einen Klumpen Katzenstreu , der die Schüssel verstopfte.
Oh man... das darf doch nicht wahr sein!!, dachte ich ... die haben doch nicht etwa das Streu ins Klo gekippt... ich schaute mich um und suchte die Klobürste, um den Klumpen irgendwie wieder weg zu machen... nichts... keine Bürste da.. Mein Mitbewohner war aus zu schließen. der war in Berlin, der hatte die nicht gefressen... Dann sah ich den Schwamm und der sah ziemlich mitgenommen aus.. ganz Kalk weiß.
Als am Abend Lara mit dem Einkauf zu mir kam und wir uns dann auf meinem Podest breit gemacht haben fragte ich sie beiläufig: „ Sag mal Lara, hast du vielleicht das Katzenstreu ins Klo gekippt?“
Große Augen guckten mich an:“Nein, wieso sollte ich...?“
Ich überlegte kurz und dann kam eins zum anderen: klar konnte es nicht Lara gewesen sein:
„ Also da ist ein Klumpen Katzenstreu im Klo und auf dem Boden sind überall weiße Flecken und die Klobürste ist weg... deshalb.“
„ Also ich hab das in die Plastiktüte gepackt und dann in den Müll geschmissen.“
„Ok. Dann war es Beth. Ich glaub es nicht! Mir sagt sie noch es wäre alles in bester Ordnung. Ich mein, ist doch klar was passiert ist. Sie hat das Katzenklo in die Toilette gekippt hat dann gemerkt, dass es nicht abfließt und dann mit der Klobürste nach gestopft bis die hinüber war und 'ne riesen Sauerei veranstalltet.“
Das Telefon klingelte. „Hey Beth!“ ich guckte Lara an und grinste... „und wie geht es dir? Alles klar soweit?“
Ich hielt das Mikro zu: „Ich sprech sie jetzt drauf an, ma gucken was sie sagt...
Sag mal kann es sein das du das Katzenstreu ins Klo gekippt hast und dann Panik bekommen hast und dann die Klobürste verunstalltet hast? „
„Es tut mir so leid!“ kam es auch schon vom anderen Ende: „Aber ich war so im Stress. Ich hatte kaum Zeit und Rose rief mich an und meinte ich soll mich beeilen und dann schütte ich das Zeug da rein und merke auch schon, dass alles zu spät ist und dann musste ich alles mit den Händen raus holen, weil du keine Handschuhe da hattest und dann musste ich alles sauber machen. Mir war so schlecht. Ich hab alles mit meinen Händen raus geholt und in eine Tüte gepackt. Und dann musste ich erstmal nach Hause und mich waschen.“
„Aber wieso sagst du nichts?“
„Mir war das so peinlich und es tut mir auch leid.“ klagte Beth.
„Aber du weißt schon doch das man das Streu nicht ins Klo kippen darf, weil das alles verstopft? Du meintest doch du hättest schon mal 'ne Katze gehabt?“
„Ja aber ich hatte es soooo eilig und Rose am Telefon und die sagte nun mach mal...“
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder mich aufregen sollte, das war echt grandios. Ich kam mir vor wie unter 17 Jährigen und ich freute mich schon drauf Rose zu fragen, ob das wirklich ihr Tipp war.
„Gut, aber ich brauche dringend eine Klobürste, bringst du mir eine vorbei? Die sind ja nicht so teuer.“
„Ja mach ich. Sorry nochmal“
Wir legten auf.
Lara und mir war dann alles klar. Beth hatte Panik gekriegt , ihr war schlecht und sie ist nach Hause... Klo ist dreckig geblieben und an füttern war nicht mehr zu denken. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß und wenn ich nicht da bin, kriege ich es eh nicht mit...und sie hatte noch 5 Tage zeit ne neue Bürste zu besorgen, vielmehr: hätte sie gehabt...
Ich räumte alles auf, wischte die Flecken weg und koch in der Maschine alle Aufwischtücher aus .. desinfizierte das Klo. Vorsichtsmaßnahmen, falls es noch mehr Unerzähltes gab.
Ich hing gerade die Tücher auf da klingelte es an der Tür. Ich schaute durch den Spion...Ich erkannte die Person nicht, schien aber ein sympatischer junger Mann zu sein. Ich öffnete die Tür.
„Hallo!“
„Hi, geht es dir besser?“, der Typ schaute mich etwas distanziert und mitleidig an. Ich hasse Mitleid. Distanzierten erst recht.
„Ja, danke. Den Umständen entsprechend und ich bin zum Glück auch wieder zu Hause.“
„Ich wollte auch nur fragen, ob ICH nicht lieber eine Klobürste besorgen soll und du gibst mir das Geld einfach dazu.“
„Ich versteh nicht ganz.“
„Also, ich bin der Nachbar, der euch neulich abends die Klobürste ausgeliehen hat, bzw. deiner Freundin und als es dir..“, er machte eine klitze kleine Pause, „ ...nicht so gut ging. Und deine Freundin meinte, ihr würdet, bzw. du mir in den nächsten Tagen eine neue vorbei bringen.“
„Wie? Deine ist auch weg?“ Ich glotzte.
„Ähh.., Jaaa.“, sagte er gedehnt und schaute mich jetzt an, als hätte ich ein schwerwiegendes Gehirnproblem.
Oh, mein Gott, das konnte nicht wahr sein, was hatte Beth ihm nur erzählt? Ich ahnte Übles.
„Was willst du denn haben? Reichen 5 Euro?“ Er nickte.
Blöde Frage: 5 euro reichen allemal, es hätten auch 2,50 gereicht, aber ich wollte die Situation so schnell wie möglich beenden.
Ich humpelte zurück in mein Zimmer, holte das Geld und drückte es meinem Gegenüber in die Hand, bevor ich die Tür mit einem „ Danke nochmal und Tschüüüs“ schloss.
Ich stürmte zum Telefon und rief Beth an. Sie ging nicht ans Telefon. „Ok. Gedulde dich“ , dachte ich und versuchte es im 15 min Takt erst auf Handy und dann auf Festnetz.
Irgendwann ließ ich ab und beschloss erstmal zu duschen. Ich ging zum Wäscheständer und nahm ein Handtuch ab , da roch ich schon, dass auch mit dem Handtuch irgendetwas nicht stimmte.
Ich schnüffelte dran rum, ließ es angeekelt fallen und griff zum nächsten... Uagh! Die rochen ja alle so...
„Beth!!“ JETZT war ich wütend. Ich rupfte alle Handtücher runter, stopfte sie in die Maschiene und koch auch diese aus, später fiel mir noch auf, dass mein Duschgel alle war und Beth ging immer noch nicht ans Telefon.
Um es kurz zu machen: Sie hatte mein Klo verstopft, hat mit einer Suppenkelle (Tag 2: mir fällt auf, während ich mir die Soße auf die Nudeln gieße, dass der Griff einige Kalkflecken hat- ist klar das alles in den Müll wanderte! ) versucht alles raus zu holen, nachdem mit meiner Klobürste die Nachstopferei nichts gebracht hatte. Sie hat eine riesen ( auch Tag 2: selbst im Flur zwischen den Dielen waren Katzenstreu und weiße Rillen ) Überschwemmung veranstaltet, die sie mit meinen Handtüchern aufgewischt hat( nicht gewaschen ,sondern nur aus gespült) , entleerte dafür mein Duschgel ( sie hatte den Bodenreiniger nicht gefunden- stand hinter den anderen Sachen auf dem Boden im Bad, die während des Wischens nicht zur Seite geräumt worden waren) und hat meinem neuen (gut aussehendem) Nachbarn erzählt, ich hätte Magen Darm Grippe und einem gebrochenem Fuß und wir müssten jetzt mein Klo entstopfen und außerdem hatte sie ihn eigentlich nach einem Pümpel gefragt. Er hatte aber nur eine Bürste und die lieh sie sich, weil ich so etwas angeblich nicht besaß. Und dann hat sie all den Müll ( incl. 2 Klobürsten), weil die Container voll waren in den Fahrradkeller gesteckt. Das kam dann 5 Tage später raus, als mein Nachbar UND meine Hausmeisterin an meiner Tür klingelten.
Beth ist dann auch erstmal im Urlaub gewesen, nachdem sie sich eine Woche nicht gemeldet hatte. Und Beth hat mir natürlich keine neue Bürste vorbeigebracht, sondern ein paar Tage später Evan, und er hatte auch seinen Hund Bella mit. Und nachdem Bella wieder weg war, fand ich auch schon die nächste Scheisse mit der ich mich befassen durfte und ging wieder ans wischen.
Und Beth wirft mir übrigens grade vor, ICH wäre unreif, da ich ihr meine Enttäuschung darüber, dass sie sich bei mir nicht meldet, per E-Mail mitgeteilt habe.
Schade, dass Heinz so scheu ist, ich würde auch mal gerne mit ihr kuscheln. Grade jetzt.
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